Europäisches Parlament: Medienkompetenz sollte EU-weit gestärkt werden
Brüssel, 8. September (Hibya) – Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments forderten, Medienkompetenz und digitales Lernen in der gesamten Europäischen Union zu stärken, damit Bürger Desinformation, manipulative Inhalte, suchtfördernde Designs und von künstlicher Intelligenz erzeugte Inhalte erkennen können.
Das Europäische Parlament erklärte, dass aufgrund des globalen und grenzüberschreitenden Charakters des digitalen Umfelds eine EU-weite Koordinierung erforderlich sei, um Bürger und Demokratien zu schützen.
In einer am 7. Juli mit 447 Ja-Stimmen, 128 Nein-Stimmen und 78 Enthaltungen angenommenen Entschließung forderte das Parlament, Medienkompetenz und digitales Lernen während des gesamten Bildungsprozesses und darüber hinaus als grundlegende Fähigkeiten für alle Bürger zu fördern.
Die Abgeordneten erklärten, Medienkompetenz und digitales Lernen würden Bürger in die Lage versetzen, Desinformation, ausländische Informationsmanipulation und Einmischung, Cybermobbing und andere Formen von Online-Schäden zu erkennen.
In der Entschließung heißt es, es müssten Maßnahmen entwickelt werden, die den Bürgern helfen zu verstehen, wie die Gestaltung von Plattformen ihre Wahrnehmung von Informationen beeinflussen kann. Programme sollten den Nutzern außerdem dabei helfen, redaktionelle, kommerzielle und synthetische Inhalte voneinander zu unterscheiden, Überzeugungstechniken zu erkennen und von künstlicher Intelligenz erzeugte Inhalte zu identifizieren.
Die Abgeordneten forderten eine stärkere Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Organisationen zur Förderung der Medienkompetenz in der gesamten EU. Zugleich sollten digitale Lerninstrumente im Bildungsbereich vor kommerziellen Einflüssen geschützt und Kooperationen mit dem Privatsektor im öffentlichen Interesse gestaltet werden.
Das Europäische Parlament forderte außerdem im Rahmen der Bewertung der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste zusätzliche Maßnahmen zum Schutz von Kindern, die Video-Sharing-Plattformen nutzen. Wegen ihrer Rolle bei der Prägung der Informationskonsumgewohnheiten junger Menschen sollten auch Influencer und Content-Ersteller den Regeln für Medieninhalte unterliegen sowie Verhaltenskodizes und klare Leitlinien geschaffen werden.
Der Berichterstatter der Entschließung, Marcos Ros Sempere, erklärte, Demokratien dürften Bürger nicht allein mit Desinformation, suchtfördernden Designs und den kommerziellen Interessen großer Plattformen kämpfen lassen. Medienkompetenz und digitales Lernen müssten zu grundlegenden Fähigkeiten für Bürger aller Altersgruppen werden.
Deutsche Nachrichtenagentur Wp Aktuell